Andacht

April 2021 / Mai 2021

Kuzifix Dom Erfurt

Wenn man in Erfurt vom Markt aus die Treppen zum Dom hinaufgeht, nähert man sich Stufe für Stufe diesem Kruzifix. Es ist ein besonderer Kreuz-Weg, nicht nur in der Passionszeit. Mich hat dabei besonders beeindruckt, dass dieses Kruzifix zwischen Severikirche und Dom einerseits wie ein Segenszeichen über der Stadt steht und andererseits die beiden Kirchen, die von evangelischen und katholischen Christen genutzt werden, miteinander verbindet. Und dann war es noch ein ganz persönlicher Gedanke, der mich bewegt hat: Mir wurde bewusst, dass auch ich unter diesem Kreuz meinen Platz gefunden habe. In Erfurt als Tourist, als ein Mensch auf Reisen, nicht in diesem Jahr, sondern schon länger.

Seitdem begleitet mich der Gedanke, dass das auch im Leben so ist, dass ich meinen Platz unter dem Kreuz gefunden habe auf der Reise meines Lebens. Mitgenommen habe ich neben diesem Gedanken auch dieses Foto vom Gekreuzigten.

Im Matthäusevangelium wird im 27. Kapitel die Leidensgeschichte Jesu erzählt. Ich möchte Sie ermutigen, in den nächsten Tagen einmal die Bibel aufzuschlagen und dieses Kapitel zu lesen. Einer von denen, die dem Geschehen unter dem Kreuz ganz besonders nahe sind, ist ein römischer Hauptmann. Er hatte offensichtlich die Soldaten zu befehligen, die mit der Kreuzigung...

Er als Römer, als Heide, als Henker bekennt als Jesus am Kreuz stirbt: "Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!" Mt 27,54 Damit wird im Matthäusevangelium deutlich gemacht, dass selbst die heidnische Welt unter dem Zeichen des Kreuzes gar nicht anders kann, als den Gekreuzigten als den wahrzunehmen, der er ist: Gottes Sohn.

Die Fortsetzung dieses Gedankens findet sich am Schluss des Matthäusevangeliums als Jesus als Auferstandener seine Jünger beauftragt: "Gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker!"

Zum Kreuz Jesu und seinem Sterben gehört zugleich der Gedanke der Auferstehung am Ostermorgen und der Auftrag an seine Jünger. Deshalb erscheint die Dunkelheit des Kreuzes immer schon von Sonne durchflutet, deshalb ist das Kreuz nicht nur Zeichen des Todes, sondern Zeichen des Lebens.

In einer Kreuzmeditation fand ich dazu Gedanken, die ich gern mit Ihnen teilen möchte:
"Du, Gott, schlägst das Kreuz über der Welt und segnest sie. Du schlägst das Kreuz über deiner Kirche und Gemeinde, über ihrer Hingabe und ihrer Gleichgültigkeit. Du schlägst das Kreuz über uns, unserer Feststimmung in diesen Tagen und wenn wir verloren gehen in dem, was uns andere Tage bringen.

Du schlägst das Kreuz über der Welt. Du schlägst das Kreuz über den Orten, wo Leben beschädigt und zerstört wird. Du schlägst das Kreuz über den vielen, die Begeisterung zusammenführt. Du schlägst das Kreuz über den Massen, die sich hasserfüllt zusammenrotten. Du schlägst das Kreuz über der Welt. Du hast das Kreuz eingezeichnet in unser Leben. So segnest du uns.

Du hast am Kreuz deine Arme ausgebreitet und birgst unser Leben in deiner Liebe. Unsere Leichtigkeit und die Schwere sind bei dir geborgen, die Enttäuschung und die Hoffnung, unsere Zerbrechlichkeit und Stärke. Du hast die Arme ausgebreitet, damit Leben und Segen in diese Welt kommt. Du schlägst das Kreuz über der Welt."

Ihnen verbunden unter dem Kreuz mit der Gewissheit der Ostersonne im Herzen!

Ihr Martin Schanz, Pastor

Foto: Martin Schanz

Monatsandacht für Kinder

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Foto: pixabay.com