Andacht

Oktober 2020 / November 2020

Andacht zum Monatsspruch November von Eva Maria Leistner

Gott spricht: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9

Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenen Wegen, dass sie nicht zu Fall kommen.“ So geht der Monatsspruch für den Monat November weiter. Dieser Zuspruch gilt Menschen, die durch schwere Zeiten auf steinigen und beschwerlichen Wegen gehen mussten. Die Kapitel 30 und 31 werden auch Jeremias Trostbüchlein genannt. Es sind Heilszusagen für die Zukunft Israels und Judas, Worte der Ermutigung für ein gepeinigtes Volk. Die umliegenden Völker haben den Untergang des Gottesvolkes miterlebt. Nun sollen sie auch erleben, dass Gott sich seinem Volk wieder zuwendet, dass es Hoffnung gibt, dass es eine Zukunft geben wird, dass Gott einen neuen Bund mit seinem Volk verspricht.

„Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ Bei diesem Monatsspruch musste ich an unseren Friedhof und an den Ewigkeitssonntag denken. Der Friedhof - ein Ort der Trauer und des Abschieds, der Tränen - ein guter und wertvoller Ort dafür. Menschen kommen dorthin, um zu trauern und zu weinen. Von vielen wird dieser Ort auch bewusst gemieden. Wer will schon gern mit dem Tod konfrontiert werden, daran erinnert werden, dass unsere Lebenszeit einmal zu Ende geht? Doch Trauer hat und braucht ihre Zeit. Und es ist nicht gut, alles wegzuschieben, was mit dem Tod eines geliebten Menschen zu tun hat, eben weil es so schmerzlich ist. Abschied ist nun einmal traurig und Scheiden tut weh.

Doch so sehr wir Menschen einen Ort der Trauer brauchen und suchen, so sehr brauchen wir wohl auch einen Grund zum Weiterleben, zum Weitermachen, einen Grund zum Leben; vielleicht bewusster als bisher, vielleicht tiefer, wertvoller, lebensbejahender. Dafür können wir viel Ermutigung auf dem Friedhof finden. Auf manchen Grabsteinen steht eine Botschaft. Und so oft wir darauf etwas zu lesen finden, was Trauer und Schmerz ausdrückt, so oft finden wir auch Worte des Lebens, die jemand ganz bewusst in Stein gravieren ließ, als eine Botschaft der Hoffnung, für sich selbst, wie auch für die Verstorbenen, aber auch als Zeugnis unseres Glaubens für Menschen, die vorüber gehen. Zum Beispiel: Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an (Ps 73). Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben (Joh.14). Meine Zeit steht in deinen Händen (Ps 31).

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt (Hiob 19). Jesus Christus ist unser Friede (Eph 2). Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein (Jes 43 ). JESUS ist Sieger!

Und mögen diese Verse auch für die Zukunft in Gottes neuer Welt sprechen, so dürfen sie auch Hoffnung für das Leben der Zurückgebliebenen, für das Heute sein. Das Leben mit Jesus Christus darf schon jetzt beginnen, nicht erst nach dem Tod. In allen Lebenslagen, den Herausforderungen und Möglichkeiten, den Verlusten und Traurigkeiten will Jesus mit uns gehen. Er sagt: „Ich bin der Weg.“ Und mögen unsere Schritte auch zaghaft und ängstlich sein, wir dürfen Gott vertrauen, dass er uns sogar tragen will. Manchmal wirft man uns Christen vor, wir würden ja nur auf das Jenseits vertrösten. Doch der Reichtum des Glaubens darf uns jetzt schon gehören. Und Gott will uns nicht nur trösten, sondern eben auch leiten, uns eine neue Perspektive geben. Und so dürfen wir – vielleicht anders als wir gekommen sind, mit Traurigkeit und Tränen, weiter gehen mit Hoffnung und Frieden, den Jesus uns schenken will.

So soll das Leben trotz aller Trauer wieder lebenswert sein, trotz des großen Verlustes eines lieben Menschen, der uns so sehr fehlt. Und wir dürfen ins Leben zurückfinden. Ähnlich wie es auch im Psalm 126 heißt, der wohl auch aus der Zeit des Exils des Volkes Israels stammt: „Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“

Wir dürfen weiter leben und Garben bringen. Unser Leben soll Früchte tragen. Und jeder Tag soll lebenswert und wichtig sein, geschenkte Lebenszeit unseres Schöpfers, die wir ausfüllen dürfen mit aller Liebe, mit Lachen und Weinen, mit allen Möglichkeiten, die wir haben, mit allem, was uns Gott aufs Herz und vor die Füße legt, weil er mit uns gehen und uns trösten und leiten will.

Ihre / Eure Eva Maria Leistner

 

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